architektur

Ein baufälliges Haus…

 

In den Jahren 2001/02 durften wir in Rheinau unseren ersten Gesamt-Auftrag realisieren. Ein mutiger Bekannter kaufte mit unserer psychologischen Unterstützung eine alte, unter Schutz stehende Bruchbude – was er bis heute nicht bereut hat.

 

Gemäss dendrochronologischer Datierung der verschiedenen Holzkonstruktionen, stammte der Kernbau – der östliche Wohnteil –  ungefähr aus dem Jahr 1530, die Dachkonstruktion wurde vermutlich 1660 erneuert und 1705 nochmals geflickt. Der westliche Scheunenanbau soll gemäss Gutachten im Jahr 1557 gebaut worden sein. Als abschliessendes Haus einer Hausreihe im alten Kern von Rheinau, stand die Liegenschaft natürlich unter Schutz.

 

Das gesamte Haus war in unzählige, oft tageslichtlose, meist schlauchartige Räume unterteilt, die jeweils nur durch den Nebenraum betreten werden konnten. Ein wahres Labyrinth. Ich betrachtete es darum als meine Aufgabe, den Grundriss wieder zu vereinfachen, den einzelnen Räumen Tageslicht zu verschaffen sowie die gesamte Erschliessungssituation zu verbessern.

 

Wenn Sie die folgenden Fotos betrachten, wird es manchmal kaum möglich scheinen, aber die Vorher-/Nachher-Fotos zeigen jeweils den Blick vom praktisch gleichen Standort aus!

Die Fassaden

Die Strassenfassade wurde äusserlich nur renoviert.

Nordseitig konnte der Anbau geöffnet und zu einer Laube umgestaltet werden. Dadurch erhielten die dahinterliegenden Räume wieder Tageslicht.

Die Ostfassade machte mit einer deutlichen «Beule» darauf aufmerksam, dass sie in erster Linie vor dem Einsturz bewahrt werden wollte.

Erdgeschoss

Die Haustüre führte in einen dunklen Vorraum, dann in eine ebenso dunkle Werkstatt mit WC und von dort in den rückwärtigen Anbau hinaus.

Aus der Abfolge von dunklen Kleinsträumen wurde ein heller Gang, der alle Räume des Erdgeschosses sowie das Obergeschoss und den Keller erschliesst.

Die beiden schlauchartigen Räume links wurden zum hellen Wohnzimmer zusammengefasst.

Statt an die schmalen Rückwände, sieht man heute durch die Küche direkt in den Garten hinaus.

Was sich vor Baubeginn  wie auf obigem Bild präsentierte, wurde zum Eingang in die geräumige Küche.

Obergeschoss

Auch im OG war alles in Kleinsträume unterteilt, wobei die meisten Räume ohne Fenster auskommen mussten.

All diese Mini-Räume wurden wieder aufgelöst. An ihrer Stelle ist heute der obere Gang, der wiederum alle OG-Räume erschliesst und von Norden wie Süden mit Tageslicht versorgt wird.

Das grösste Zimmer wurde auf Wunsch der Bauherrschaft zum Badezimmer mit direktem Zugang auf die Laube hinaus.

Anstelle der muffeligen Einrichtung sind hier heute WC, Dusche, Lavabos und Badewanne zuhause.

Laube

Ein Glück, dass wir aus dem düsteren Anbau diese Laube machen durften!

Ein Detail zum Schluss

Dank einem Dachstuhl im Dachstuhl konnte das alte Dach erhalten werden. Die spezielle Konstruktion im linken Bild machte es gar möglich, dass die Dachform den ursprünglichen Knick behalten konnte.

 

Hauptsächlich dafür erhielt der Bau denn auch den «goldenen Ziegel» - eine Auszeichnung der Denkmalpflege.

wieder rauf…